ganz.herz.lich=
Zeichnung eines Elefanten

Der angekettete Elefant – eine Geschichte zum Nachdenken

Ein Sprichwort sagt: Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen. Die Geschichte vom angeketteten Elefanten ist so eine Geschichte und ich möchte sie Euch heute erzählen, weil ich finde, dass sie uns eine ganze Menge zu sagen hat:

01.04.2015

Als ich ein kleiner Junge war, war ich vollkommen vom Zirkus fasziniert, und am meisten gefielen mir die Tiere. Vor allem der Elefant hatte es mir angetan. Wie ich späte erfuhr, ist er das Lieblingstier vieler Kinder. Während der Zirkusvorstellung stellte das riesige Tier sein ungeheures Gewicht, seine eindrucksvolle Größe und seine Kraft zur Schau. Nach der Vorstellung aber und auch in der Zeit bis kurz vor seinem Auftritt blieb der Elefant immer am Fuß an einen kleinen Pflock angekettet

Der Pflock war allerdings nichts weiter als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Und obwohl die Kette mächtig und schwer war, stand für mich ganz außer Zweifel, dass ein Tief, das die Kraft hatte, einen Baum mitsamt der Wurzel auszureißen, sich mit Leichtigkeit von einem solchen Pflock befreien und fliehen konnte.

Dieses Rätsel beschäftigt mich bis heute. Was hält ihn zurück? Warum macht er sich nicht auf und davon?
Als Sechs- oder Siebenjähriger vertraute ich noch auf die Weisheit der Erwachsenen. Also fragte ich einen Lehrer, einen Vater oder Onkel nach dem Rätsel des Elefanten. Einer von ihnen erklärte mir, der Elefant mache sich nicht aus dem Staub, weil er dressiert sei. Meine nächste Frage lag auf der Hand: “Und wenn er dressiert ist, warum muss er dann noch angekettet werden?”
Ich erinnere mich nicht, je eine schlüssige Antwort darauf bekommen zu haben. Mit der Zeit vergaß ich das Rätsel um den angeketteten Elefanten und erinnerte mich nur dann wieder daran, wenn ich auf andere Menschen traf, die sich dieselbe Frage irgendwann schon einmal gestellt hatten.

Vor einigen Jahren fand ich heraus, dass zu meinem Glück doch schon jemand weise genug gewesen war, die Antwort auf die Frage zu finden: Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist.
Ich schloss die Augen und stellte mir den wehrlosen neugeborenen Elefanten am Pflock vor. Ich war mir sicher, dass er in diesem Moment schubst, zieht und schwitzt und sich zu befreien versucht. Und trotz aller Anstrengungen gelingt es ihm nicht, weil dieser Pflock zu fest in der Erde steckt.
Ich stellte mir vor, dass er erschöpft einschläft und es am nächsten Tag gleich wieder probiert, und am nächsten Tag wieder, und am nächsten …
Bis eines Tages, eines für seine Zukunft verhängnisvollen Tages, das Tier seine Ohnmacht akzeptiert und sich in sein Schicksal fügt.
Dieser riesige, mächtige Elefant, den wir aus dem Zirkus kennen, flieht nicht, weil der Ärmste glaubt, dass er nicht kann.
Allzu tief hat sich die Erinnerung daran, wie ohnmächtig er sich kurz nach seiner Geburt gefühlt hat, in sein Gedächtnis eingebrannt. Und das Schlimme daran ist, dass er diese Erinnerung nie wieder ernsthaft hinterfragt hat. Nie wieder hat er versucht, seine Kraft auf die Probe zu stellen.

Geht es nicht uns allen ein bisschen so wie diesem Zirkuselefanten? Wir bewegen uns in der Welt, als wären wir an Hunderte von Pflöcken gekettet. Wir glauben, einen ganzen Haufen Dinge nicht zu können, bloß weil wir ein einziges Mal, vor sehr langer Zeit, damals, als wir noch klein waren, ausprobiert haben und gescheitert sind.
Wir haben uns genauso verhalten wie der Elefant und auch in unser Gedächtnis hat sich die Botschaft eingebrannt: “Ich kann das nicht, und ich werde es niemals können.”
Mit dieser Botschaft, der Botschaft, dass wir machtlos sind, sind wir groß geworden, und seitdem haben wir niemals mehr versucht, uns von unserem Pflock loszureißen.
Der einzige Weg herauszufinden, ob wir etwas können oder nicht ist, es auszuprobieren – und zwar mit vollem Einsatz. Und aus ganzem Herzen!

Darum: Glaub an Dich und Deine Stärke. Und vertraue auf Deine innere Weisheit. Bleib dran an Deinen Träumen und lass Dich nicht beirren, auch wenn es nicht gleich klappen will. Hinterfrage Deine persönlichen Grenzen immer und immer wieder. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Du es wieder versuchst und es auf einmal ganz einfach geht :-) Probier es aus – und reiß Dich los von Deinen Fesseln aus vergangenen Zeiten <3

GEDANKEN TEILEN:

Add new comment

Katharina Ellmaier

 

herz
post

Meine Name ist Katharina Ellmaier. Ich bin Herzen.Hörerin und Seelen.Flüsterin und ich unterstütze Dich, tiefe Befriedigung zu erlangen und Deine Lust am Leben zurückzuerobern. 

Du möchtest regelmäßig mit Herzens-Inspirationen versorgt werden? Abonniere hier meinen Newsletter:

social
media

Herze mich auf Facebook und werde Teil meiner Online-Community!